Kalenderblatt: Happy Birthday, Friedrich Engels!

Am 28. November 1820 wurde Friedrich Engels in Barmen, Wuppertal, geboren.

Der zwanzigjährige Friedrich Engels hat in dem Gedicht »Ein Abend«, das 1840 im Telegraph für Deutschland erschien, von sich so gesprochen: »Ja, einer bin ich von den kecken Vögeln / Die in dem Äthermeer der Freiheit segeln.« Nur fünf Jahre später erschien sein großes frühes Meisterwerk »Die Lage der arbeitenden Klasse in England«. Es ist, wie Franz Mehring schrieb, »ein epochemachendes Werk, die erste große Urkunde des wissenschaftlichen Sozialismus«.

Der Marxismus war, nicht nur in seiner Genesis, ein Engels-Marx-Ismus. Zwei gleich hochbegabte, wenn auch mit unterschiedlichen Begabungen ausgestattete Männer hatten sich 1844 in Paris zusammengefunden und das geschaffen, was sie selbst »deutschen kritischen proletarischen Kommunismus« oder auch »wissenschaftlichen Sozialismus« nannten. Es ging um eine Gesellschaft, »in der die freie Entwicklung der Einzelnen zur Bedingung der freien Entwicklung aller« wird.

In der Arbeiterbewegung sahen sie die Kraft, die die kapitalistische Gesellschaft von Ausbeutung und Herrschaft der Konkurrenz, von »Sachzwängen« sowie Degradation von Mensch und Natur befreien und durch eine solidarische Gesellschaft ersetzen würde, in der die Menschen die komplexen Zusammenhänge ihrer Vergesellschaftung unter die gemeinsame demokratische Kontrolle brächten. Jede und jeder sollte sich nach seinen und ihren Fähigkeiten einbringen, jeder und jede entsprechend seinen und ihren Bedürfnissen leben können.

Die Antworten, die Engels in den harten Kämpfen seiner Zeit gab, waren zeitgebunden und weisen doch über diese hinaus. Er war Journalist, Revolutionssoldat, Organisator kommunistischer Gruppen, Berater sozialistischer und sozialdemokratischer Parteien, Forscher, Inspirator. Er hat sich über die besten Jahrzehnte dem kapitalistischen Schacher, wie er es nannte, unterworfen, um Marx und dessen Familie zu unterstützen. Er hat den zweiten und dritten Band des Hauptwerks seines Freundes, das »Das Kapital«, herausgegeben, wichtigste eigene Projekte liegen lassend.

Er hat eine Schule von Marxistinnen und Marxisten geschaffen. Sein Werk hat wesentlich zum Aufstieg der Arbeiterklasse in den Zentren des Kapitalismus beigetragen, hat Befreiungsbewegungen in aller Welt inspiriert, war ein Bezugspunkt des Feminismus, Herausforderung für verantwortliche Natur- und Technikwissenschaft.

Seinen Geist einzusperren in das eherne Gehäuse des Marxismus-Leninismus war eine Todsünde. Kecke Vögel wie er haben dieses Gehäuse gesprengt. Es war – auch – eine Befreiung jener Visionen von Solidarität, Freiheit, neuem Naturverhältnis, Gleichheit, die jede und jeder finden kann, der die Schriften von Engels fragend in die Hand nimmt. Niemand hat im Dienste der Unterdrückten, der Geknechteten, der Bevormundeten mehr aus sich gemacht, und wenige können sich in dieser Hinsicht mit ihm als Gleiche messen.

Happy Birthday, General!

Michael Brie ist Mitbegründer der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Er veröffentlichte zuletzt »Sozialist-Werden. Friedrich Engels in Manchester und Barmen 1842 – 1845«.

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