Mit links gelesen

Evan Osnos:
Joe Biden

Suhrkamp, 263 Seiten, 18,95 Euro

»Bidens Kandidatur setzte auf die Annahme, dass das Pendel der Geschichte, wenn es von Trump wegschwingen sollte, eher in Richtung Erfahrung und behutsamer Reformen als in Richtung Jugend und progressiven Eifers ausschlagen würde.« So fasst der Journalist Evan Osnos in seinem vielschichtigen Porträt zusammen, wie der künftige Präsident der USA eine Mehrheit in seiner Partei sowie unter den Wählerinnen und Wählern gewann. Joe Biden musste in seinem Leben zahlreiche Schicksalsschläge verkraften. Als Vizepräsident von Barack Obama gelang es ihm, mit den Republikanern politische Lösungen zu finden. Evan Osnos erwartet, dass er diese Erfahrungen nutzt, um beispielsweise den Mindestlohn zu verdoppeln und die Gewerkschaften zu stärken.

Ezra Klein:
Der tiefe Graben

Hoffmann und Campe, 384 Seiten, 25 Euro

Der Publizist Ezra Klein analysiert, wie stark die Polarisierung das politische System der USA prägt, welche Faktoren diese Entwicklung vorantreiben: »Gruppenidentität und Gruppenstatus – das sind die beiden Dinge, über die wir in der amerikanischen Politik so häufig streiten. Diese Auseinandersetzungen kommen in den Debatten über Politik und Macht zum Ausdruck, können in Wahrheit aber weder von der einen noch von der anderen Partei beigelegt werden.« Er untersucht, weshalb Demokraten und Republikaner weiter auseinanderdriften, welche Rolle die Medien spielen und was passiert, wenn sich die Bevölkerung enttäuscht von der Politik abwendet. So umreißt er die schwierige Ausgangslage der neuen Regierung. Ezra Klein warnt vor Demokratieverlust.

Christoph Hickmann, Martin Knobbe,
Veit Medick (Hg.):
Lockdown

DVA, 320 Seiten, 22 Euro

Journalistinnen und Journalisten des Spiegel hinterfragen, wie politisch Verantwortliche im Frühjahr 2020 handelten, um die erste Welle der Corona-Pandemie zu bewältigen: »War all dies richtig, notwendig, verhältnismäßig? Und was werden die Folgen sein?« Die sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Wirkungen veränderten die Stimmung im Land, sie polarisierten und stellten das Verhältnis von Politik und Bevölkerung auf eine harte Probe. Beispielsweise die Arbeitswelt veränderte sich rasant: »Die Macht der Arbeitnehmer schrumpft, die der Arbeitgeber wächst, zumindest in der Tendenz.« Auch über Grund- und Freiheitsrechte wird intensiv gestritten. Dieses Tagebuch hilft, jene Entscheidungsprozesse unter enormem Zeitdruck und bei unsicherer Datenlage zu verstehen, wenn künftig bessere Ergebnisse erzielt werden sollen.

Susanne Götze, Annika Joeres:
Die Klimaschmutzlobby

Piper, 304 Seiten, 20 Euro

Weshalb kann Deutschland seine selbst gesteckten Klimaschutzziele kaum erreichen? Susanne Götze und Annika Joeres tragen zusammen, wie die Klimaschmutzlobby bremst, manipuliert und täuscht. Sie schildern, wie Denkfabriken und Verbände der Wirtschaft Fakten verdrehen, wie offenbar fehlgeleitete Subventionen Fortschritt verhindern und Netzwerke der Klimawandel-Leugner allem einen passenden Anstrich verleihen. Doch ohne Verbündete in der Politik, die sich vor diesen Karren spannen lassen, würde dieses System nicht funktionieren. Susanne Götze und Annika Joeres fordern mit diesem kompromisslosen Report einen radikalen Wechsel: Lobbyismustransparenz kann nur der Anfang sein, die Politik muss andere Schwerpunkte setzen: weniger Konsum, Fleisch, Kohle und Müll, mehr Verkehr für Fußgänger und Radfahrer.

Benjamin Ferencz:
»Sag immer Deine Wahrheit«

Heyne, 160 Seiten, 17 Euro

Benjamin Ferencz wurde im März 1920 in Siebenbürgen geboren. Als er zehn Monate alt war, emigrierte seine Familie in die USA. Er wuchs in einfachen Verhältnissen auf, lernte intensiv und schloss 1943 sein Jurastudium ab. Als US-Soldat im Zweiten Weltkrieg begann er, Kriegsverbrechen der Nazis zu ermitteln. Er untersuchte ihre Gräueltaten in mehreren Konzentrationslagern, schließlich wurde er mit 27 Jahren Chefankläger in einem Nürnberger Kriegsverbrecherprozess. Auch später setzte er sich für die Verfolgung von Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit ein. Seine Ideen trugen zur Gründung des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag bei. Die Sätze »Recht statt Krieg« und »Gib niemals auf« wurden zum Motto seines Lebens, geprägt vom tiefen Glauben an eine menschenwürdige Welt.

Naika Foroutan, Jana Hensel:
Die Gesellschaft der Anderen

Aufbau, 356 Seiten, 22 Euro

»Zu-Anderen-gemacht-Werden ist eine der prägendsten ostdeutschen Erfahrungen nach der Wiedervereinigung«, sagt die ostdeutsche Journalistin Jana Hensel. »Fast alle Jugendlichen, die wir auf der Straße sehen und die aussehen wie Migranten, sind Deutsche. Sie werden aber als Andere gelesen«, stellt die Migrationsforscherin Naika Foroutan fest. Ihr Buch richtet sich an die Mehrheit, »die zentrale gesellschaftliche Positionen innehat und Diskursmacht besitzt«. Beide diskutieren Rassismus, Ausgrenzung und wie die Mehrheit Normen setzt, an denen die Anderen scheitern. Gesellschaftliche Prozesse und ihre Resultate werden fundiert und pointiert hinterfragt, manche politische Naivität und Dummheit offenbart. »Ungleichheit kann nur politisch reguliert werden«, und was zu tun ist, tragen sie in diesem Buch zusammen.

Steffen Twardowski

Zurück zur Übersicht