Wen trifft die Kulturpause?

Fakten über die Corona-Schäden am Kulturbetrieb

Die Kultur- und Kreativwirtschaft umfasst knapp 260.000 Unternehmen und 1,7 Millionen Erwerbstätige. Davon sind 260.000 Beschäftigte freiberuflich oder selbstständig tätig.


Etwa 340.000 sind sogenannte Miniselbstständige. Ihr Jahreseinkommen beträgt weniger als 17.500 Euro.


Besonders prekär ist die wirtschaftliche und soziale Lage in den Sparten Literatur, Fotografie, Film, Bühnen- und Veranstaltungstechnik, Gesang.


Schwer betroffen ist die Veranstaltungsbranche: Die meisten Ausfallversicherungen decken weder Krankheit noch Pandemie ab.


Dramatische Einkommenseinbrüche werden für den Musikbereich prognostiziert. Erwartet werden 19 bis 59 Prozent Wegfall der sonstigen Umsätze. In dem Bereich arbeiten 23.100 Miniselbstständige und 15.400 geringfügig Beschäftigte.


Die Filmbranche rechnet mit Einbußen von 24 bis 71 Prozent des jährlichen Umsatzes. Sie beschäftigt knapp 61.000 Kernerwerbstätige und 46.000 Miniselbstständige.


Betroffen sind auch der Kunstmarkt, die darstellenden Künste, Artisten, Varietes, der Zirkus, Kleinkunstbühnen und Tanzschulen.

Quellen: eigene Recherche, Kompetenzzentrum
der Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes

Kulturpause heißt Verdienstpause

Respekt und Relevanz für Kultur auf lange Sicht

Die Corona-Pandemie hat das öffentliche Kulturleben lahmgelegt. Die Künstlerinnen und Künstler, ganz besonders die freien und auch die Gewerke dahinter, trifft das existenziell. Von einem Tag auf den anderen verloren sie ihr Einkommen, aber auch ihre Perspektiven. Die Bundesregierung legte zwar ein Programm für Solo-Selbstständige und kleine Unternehmen auf, doch diese Gelder dürfen nur für die anfallenden Betriebskosten ausgegeben werden, nicht für den eigenen Lebensunterhalt. Wer zahlt die Miete? Das tägliche Essen?

Die Betroffenen wurden auf die sogenannte Grundsicherung verwiesen – und damit in die Armut geschickt. Die Corona-Pandemie beschleunigt am Ende nur eine Tendenz, die schon zuvor sichtbar wurde, wenn auch versteckter: die zunehmende Verarmung vieler im Kulturbetrieb. Die praktizierte Kulturförderung in Deutschland bewirkt, dass Künstlerinnen und Künstler sich mehr und mehr selbst ausbeuten.

Das muss sich grundlegend und dauerhaft ändern. Wer es ernst meint mit der Freiheit der Kunst, der muss auch ernsthaft für die Freiheit der Produzierenden sorgen. Dazu zählt auch die Befreiung von Existenzangst und Armut. Kulturförderung muss an soziale Mindeststandards gekoppelt sein. Die Vergütungen und Honorare müssen sozialverträglich und der Leistung angemessen sein. Und das zu allen Zeiten.

Simone Barrientos ist kulturpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE

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