Mit links gelesen

Katja Kipping:
Neue linke Mehrheiten

Argument, 96 Seiten, 8 Euro

Vier Gefahren bedrohen aus Sicht von Katja Kipping die gesellschaftliche Entwicklung: militärische Eskalation, Klimakrise, Demokratieabbau und soziale Spaltung. Drei Elemente sollen eine neue Wirtschaftspolitik prägen, um diesen Herausforderungen zu begegnen: Digitalisierung, Gemeingüter und universelle Grundversorgung. Denn die zwei Perspektiven »Aufbruch und Apokalypse liegen heute nahe beieinander«. Kipping wirbt deshalb für neue linke Mehrheiten, die eine nachhaltige und sozial-ökonomische Wende vollziehen können. Ein grün getünchter Neoliberalismus oder ein autoritärer Kapitalismus würden über kurz oder lang die gegenwärtigen Krisen noch verschärfen. Ihre Flugschrift entwirft Lösungsansätze und bietet Diskussionsstoff.


Maja Göpel:
Unsere Welt neu denken

Ullstein, 208 Seiten, 17,99 Euro

Die Politikökonomin Maja Göpel lädt dazu ein, gewohnte Denkmuster aufzubrechen: »In unserer heutigen Welt kommen nahezu gleichzeitig überall Systeme unter Druck, die über Jahrzehnte verlässlich funktioniert zu haben scheinen und die Menschheit Tag für Tag und immer umfassender mit Energie, Nahrung, Medikamenten und Sicherheit versorgten.« Sie hinterfragt unser Verhältnis zur Natur und analysiert lesenswert, wie Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme auf den heftigen Wandel reagieren. Fazit: Ohne frische Ideen und kritische Diskussion über traditionelle Lösungen können wir wachsende Herausforderungen nicht bestehen. Bereits »eine riesige Aufgabe wird es sein, mit der Gewohnheit zu brechen, alles und jedes in Geld umzurechnen und diesem Mittel zum Zweck dann den Thron in unserer Werttabelle einzuräumen«.


Thomas Piketty:
Kapital und Ideologie

C.H.Beck, 1.312 Seiten, 39,95 Euro

Nicht ökonomische Entwicklungen prägen gesellschaftliche Veränderungen, sondern die herrschende Ideologie. Thomas Piketty verfolgt präzise und gestützt auf zahlreiche Studien Etappen der Wirtschaftsgeschichte von der Sklaverei bis zum Hyperkapitalismus der Globalisierung. Schließlich entwirft er leidenschaftlich einen partizipativen Sozialismus, in dem Steuern radikal reformiert und Mitbestimmungsrechte umfassend gestärkt werden: »Die gerechte Gesellschaft organisiert soziale und wirtschaftliche Beziehungen, Eigentumsverhältnisse, Einkommens- und Vermögensverteilung derart, dass sie ihren am wenigsten begünstigten Mitgliedern die bestmöglichen Existenzbedingungen bietet.« Thomas Piketty will aufklären und präsentiert eine Fülle von Material für Diskussionen über gesellschaftliche Perspektiven.


Alice Hasters:
Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen

Hanser, 224 Seiten, 17 Euro

»Wie ein einzelner Mensch die Welt für sich ordnet, hat erst einmal wenig Konsequenzen. Doch Rassismus ist ein System, das mit der Absicht entstanden ist, eine bestimmte Weltordnung herzustellen. Es wurde über Jahrhunderte aufgebaut und ist mächtig.« Die Journalistin Alice Hasters meint diesen wirkungsvollen Rassismus, der Menschen unterdrücken kann. Sie erklärt mit ihrer Biografie geduldig, wo sie ihn im Alltag erlebt und wie sie sich dabei fühlt, berichtet von Demütigungen und Übergriffen. Weiße eignen sich beispielsweise die Kultur von nichtweißen Menschen an, sie bestimmen die Regeln der Gesellschaft. Alice Hasters hilft, Maßstäbe wie Verhalten zu überprüfen und zu ändern, denn »es ist zwar schwer, Traditionen aufzugeben, aber wenn wir sie beibehalten, dann werden wir Rassismus nicht überwinden können«.


Rutger Bregman: Im Grunde gut
Rowohlt, 480 Seiten, 24 Euro

»Wenn wir über die größten Herausforderungen unserer Zeit sprechen – von der globalen Erderwärmung bis zum schwindenden gegenseitigen Vertrauen –, glaube ich, dass deren erfolgreiche Bewältigung mit der Entwicklung eines anderen Menschenbildes beginnt.« Deshalb folgt der niederländische Historiker und Journalist Rutger Bregman der Idee, dass die meisten Menschen im Grunde gut sind. Er erzählt Geschichten über Machtmissbrauch, Gewalt und andererseits Empathie. Bregman lebt, was er schreibt. So setzt er sich für offene Grenzen und ein Grundeinkommen ein. Er baut auf Vertrauen und Kooperation, denn »wir haben eine gute und eine schlechte Seite, die Frage ist, welche Seite wir stärken wollen«.


Stefan Schweiger:
Coronavirus. 33 Fragen – 33 Antworten

Piper, 128 Seiten, 10 Euro

Als in Deutschland die ersten Infektionen mit dem neuartigen Corona-Virus registriert wurden, begann der Gesundheitsjournalist Stefan Schweiger, ein FAQ zu schreiben. Viele Themen bestimmen die Diskussion noch immer: Warum dauert die Entwicklung eines Impfstoffs so lange? Wie zuverlässig sind die Statistiken? Den Mangel an Schutzausrüstung für das medizinische Personal erklärt er unter anderem damit, dass »eine raumgreifende Lagerhaltung für den eher unwahrscheinlichen Fall einer Pandemie so gar nicht zu einem in den vergangenen Jahren auf Effizienz getrimmten Gesundheitssystem passt«. Stefan Schweiger liefert Basiswissen, um gesund und gelassen die Corona-Krise zu überstehen. Sein Buch immunisiert gegen Verschwörungstheorien.

Steffen Twardowski

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