Ohne Job von jetzt auf gleich

Mehr als vier Millionen Menschen wurden nach der Wiedervereinigung arbeitslos. Wo sind die Menschen geblieben? Die Wanderausstellung Schicksal Treuhand – Treuhand-Schicksale erzählt von ihnen.

Jan Korte, 1. Parlamentarischer Geschäftsführer der Linksfraktion, eröffnet die Schau in der Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin.

Es gibt wohl kaum eine Familie im alten Osten, die von den Privatisierungs- und Liquidierungsmaßnahmen der Treuhand verschont blieb. Innerhalb kürzester Zeit verschwanden 9.000 volkseigene Betriebe. Die Frauen und Männer dort verloren über Nacht und unverschuldet ihren Job. Arbeitslosigkeit und abhängig sein von Transferleistungen kannten sie nicht. Wollten sie auch nicht. Es war ein Schock, für alle! Wie haben sie den erlebt? Wie sind sie da wieder rausgekommen? Wie war das, weggehen zu müssen, weil es plötzlich an Arbeit fehlte?

Die Wanderausstellung Schicksal Treuhand – Treuhand-Schicksale erzählt von solchen Brüchen im Leben. Ganz normale Menschen zeigen sich, in lebensgroßen Fotos: eine Kranführerin aus dem Stahlwerk Riesa, ein Schlosser der Neptunwerft Rostock, ein Kalikumpel aus Bischofferode, eine Fernsehelektronikerin aus Berlin-Oberschöneweide. Insgesamt sind es 25 Porträts, berührend und erstaunlich. Dazu gibt es 13 exemplarische Betriebsgeschichten.

Die Idee zu der Ausstellung hatte die Rosa-Luxemburg-Stiftung, umgesetzt wurde sie von dem Unternehmen Rohnstock Biografien. Seit der Eröffnung im August in Erfurt wandern die großformatigen Bildergeschichten von Ort zu Ort. Dresden, Crimmitschau, Berlin, Lauchhammer waren die nächsten Stationen, im Moment zeigt das Schleswig-Holstein-Haus in Schwerin die »Treuhand-Schicksale«. Für 2020 haben sich Frankfurt/Oder, Rostock, Parchim und Weimar bereits für die Wanderausstellung angemeldet, aber auch Heidelberg in der alten Bundesrepublik ist interessiert. Das ist gut, denn die Schau kann viel zum gegenseitigen Verstehen beitragen.

Gisela Zimmer

Termine unter www.rosalux.de/treuhand

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