Kultur immer und überall

In diesem Jahr fand erstmals eine bundesweite Kulturministerkonferenz statt.  Schöne Worte gab es genug, doch wie sieht der Kulturalltag wirklich aus? Von Simone Barrientos

Über eins waren sich alle einig: Die Freiheit von Kunst und Kultur muss verteidigt werden. Sie sei ein hohes Gut in der Demokratie. Ein Zitat aus der gemeinsamen Erklärung: »Die Freiheit der Kunst ist ein Gradmesser gesellschaftlicher und demokratischer Freiheit. Die Länder bekennen sich dazu, diese Freiheiten zu schützen und zu einem Maßstab ihrer Kulturpolitik zu machen.« Große Worte, über die ich mich freue. Was aber bedeuten sie im Alltag? Denn wenn wir die Freiheit von Kunst und Kultur sichern wollen, müssen wir den Künstlerinnen und Künstlern auch den Rücken stärken und Kulturräume erhalten.

Bei einer Veranstaltung des Bundesverbands Freie Darstellende Künste e. V. erzählte Monika Gintersdorfer, freie Schauspielerin und Regisseurin, dass freie Gruppen einfach »verpuffen« würden. Kontinuierliche Zusammenarbeit werde nicht gefördert. Frei arbeitende Künstler und Künstlerinnen müssten sich für jedes Projekt neu »darstellen«. Es bleibe immer weniger Zeit für den eigentlichen kreativen Schaffensprozess, dafür gehe viel Energie und Zeit für neue Anträge auf Kulturförderung drauf. Außerdem: Soziale Absicherung und langfristige Perspektiven für freie Künstlerinnen und Künstler und Kulturschaffende? Fehlanzeige!

Die Situation von Frauen und Männern im Kulturbereich ist zunehmend von sozialer Unsicherheit und von geringen und schwankenden Einkünften gekennzeichnet. Schon allein darum muss Kulturförderung auch auf Nachhaltigkeit setzen. Derzeit ist die Selbstausbeutung aller Beteiligten einkalkuliert, in allen Kunst- und Kultursparten, die »Leuchttürme« mal ausgenommen. Die Fraktion DIE LINKE fordert seit Langem, dass die Fördervergabe an soziale Mindeststandards und faire Löhne gebunden ist. Darüber hinaus braucht Kunst und Kultur auch Orte und Räume.

Kinos, Kulturzentren, Bibliotheken und Veranstaltungsräume müssen deshalb vor allem wieder in ländlichen Regionen finanziert werden. In den Städten wiederum ist die Verdrängung ein Problem. Kulturelle Einrichtungen haben in der Regel Gewerbemietverträge. Die können beliebig erhöht werden, es besteht kaum Kündigungsschutz. Das schwebt wie ein Damoklesschwert über allen Projekten und Einrichtungen. Bei Neubau sollten Kulturräume von Beginn an mitgedacht und mitgebaut werden. Denn wir brauchen Kultur, überall und mehr denn je.

Simone Barrientos ist kulturpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE

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